Jairus Töchterlein und die blutflüssige Frau, Markus 5 21-43
Zitiert nach Wuppertaler Studienbibel Markusevangelium
5, 21: Und nachdem Jesus im Boot hinübergefahren war, wieder auf die Gegenseite, versammelte sich eine große Menschenmenge bei ihm.
Jesus ist wieder bei seinen Landsleuten, an seiner klassischen Wirkungsstätte in der Gegend von Kapernaum. Wieder beginnen die Freiversammlungen, mitsamt ihrer Gefährdung durch Spitzel und Soldaten. Damit atmet der neue Abschnitt eine andere Luft als die vorausgegangene Geschichte von der Heilung im Heidenland. Jetzt offenbart Jesus seine Treue zu Israel. Aber beide Geschichten hält dasselbe Sachthema zusammen: Jesu Vollmacht an allen Ufern.
5, 22: Und es kommt einer der Synagogenvorsteher, mit Namen Jairus, und als er ihn sieht, fällt er zu seinen Füßen nieder.
Einer der angesehensten Männer des Ortes und Repräsentant der Synagoge liegt vor Jesus im Staub. Er wagt viel, dass er zum Strand hinuntergeht, dort die „Gegenversammlung“ aufsucht und jetzt vor dem gejagten Wanderprediger kniet.
5, 23: Und er fleht ihn sehr an, indem er sagt: Mit meinem Töchterchen geht es zu Ende.
Mehrmals wurde Jesus gebeten, dieser fleht ihn an. Aus der Tiefe seiner Angst um sein Kind scheidet er sich von Vorurteilen und Stolz und entscheidet sich für Jesus. Nichts mehr verbindet ihn mit früher, alles mit diesem Gottesgesandten. Die Not jenes Vaters zeigt sich erst ganz, wenn wir sie im Zusammenhang damaliger Denkweise sehen. Für Juden war der Tod eines Kindes Strafe für die Eltern. Nun geschah das ihm, den Synagogenvorsteher. Der nicht gewohnt war, in Frage gestellt zu werden, sah seinen religiösen Stand gebrochen und spürte Gottes Zorn. Das galt radikal, handelt es sich doch nach Lukas 8, 42 um das einzige Kind. Seine Vaterschaft stand vor ihrem Erlöschen. Das bedeutet für einen Juden viel. Darum „komm und lege ihr die Hände auf, damit sie gerettet werde und lebe“. Dem Mann geht es schon um Heil und Unheil, um alles oder nichts.
5, 24a: Und er (Jesus) ging fort mit ihm.
„Mit ihm“ war Ausdruck dafür, dass Menschen ihr Eigenes aufgaben und ganz in Jesu Geschick eintraten. Hier steht die Wendung umgekehrt für die bedingungslose Solidarität Jesu mit diesem Mann aus dem Lager der Gegner. Jesus trägt nichts nach, schützt nichts vor, lässt jedes Sicherheitsdenken fahren. Er gehört rückhaltlos auf die Seite dessen, der von letzter Not gezeichnet ist.
Die Heilung der Blutflüssigen 5,24b – 34
Und es folgte ihm eine große Menschenmenge nach, und sie umdrängten ihn. Und eine Frau, die sich im Zustand des Blutflusses befand, zwölf Jahre, und viel erlitten hatte durch viele Ärzte und aufgewendet hatte ihr ganzes Vermögen und keinen Nutzen davon hatte, sondern es war vielmehr zum Schlimmeren gekommen, und gehört hatte von Jesus und gekommen war in der Menge von hinten, - berührte sein Gewand. Sie sagte sich nämlich: Wenn ich anrühre, und wenn auch nur seine Gewänder, werde ich gerettet werden. Und sogleich vertrocknete die Quelle ihres Blutes und sie merkte am Körper, dass sie geheilt war von der Plage. Und sofort erkannte Jesus bei sich selbst die von ihm ausgegangene Kraft, und wandte sich in der Menge um, und sagte: Wer hat meine Gewänder berührt? Und es sagten seine Jünger: Du blickst auf die Menge, die dich umdrängt, und sagst: Wer hat mich berührt? Und er blickte ringumher, zu sehen, die, die dies getan hatte. Aber die Frau, furchterfüllt und zitternd, weil sie wusste, was ihr geschehen war, kam und fiel vor ihm nieder und sagte ihn die ganze Wahrheit. Er aber sagte ihr: Tochter, dein Glaube hat dich gerettet. Gehe in Frieden und sei gesund von deiner Plage.